Leitfaden

„Professioneller Umgang mit psychisch erkrankten Schülerinnen und Schülern im System Schule“

„Psychische Belastungen und Erkrankungen sind kein Randphänomen, sondern Teil der Heterogenität, die unsere Gesellschaft prägt. Wenn Kinder und Jugendliche betroffen sind, zeigt sich dies vor allem auch in der Schule als zentralem Begegnungsort junger Menschen.[..] Die Inklusion von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen erfordert eine enge Kooperation von Lehrkräften, Sonderpädagogik, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Das Wohl der Kinder und Jugendlichen muss dabei immer im Zentrum stehen.“

Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (2024). Psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern. Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis. Robert Bosch Stiftung.

Schule ist ein Ort des Lernens, aber noch viel mehr ein Ort des Miteinanders. Hier verbringen junge Menschen einen großen Teil ihres Lebens – oft auch dann, wenn sie emotional und psychisch instabil sind und Unterstützung bedürfen. Psychische Belastungen und Erkrankungen gehören damit zwingend zu unserem Alltag. Sie sind nicht immer sichtbar, aber fast immer spürbar. Und sie fordern uns heraus: fachlich, organisatorisch und vor allem menschlich.

Unsere Aufgabe als Schule ist es, hinzusehen, zu beobachten und die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler wahrzunehmen. Unsere Aufgabe liegt darin, im pädagogischen Rahmen zu unterstützen und zu fördern, Eltern und Schülerinnen bzw. Schüler auf schulpsychologische Beratung aufmerksam zu machen und bei Bedarf schulpsychologische Expertise einzuholen; dies darf und soll aber keine Therapie ersetzen, wenn Therapie angezeigt ist!

Der Leitfaden soll uns helfen, die Wahrnehmung zu schärfen, durch klare Strukturen und Abläufe handlungsfähig zu bleiben, sorgsam zu dokumentieren, frühzeitig zu vernetzen und Schülerinnen und Schüler verlässlich zu begleiten.

Der Leitfaden soll entlasten, vereinheitlichen und Mut machen. Wirklich wirksam wird er aber erst durch etwas, das auf keiner Liste und in keinem Leitfaden steht: Unsere Haltung. Junge Menschen in Krisen brauchen Erwachsene, die ruhig bleiben, klar handeln und gleichzeitig das Kind/den Jugendlichen mit seinen Bedürfnissen sehen.

Der vorliegende Leitfaden kann die Schulleitungen und Lehrkräfte unterstützen. Er ist im Rahmen der Arbeit der inklusiven Schulbündnisse Wetzlar I, II und III entstanden und durch die Schulleitungen, in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt, federführend entwickelt worden.

Inhalt:

  • Ablaufplan mit Zuständigkeiten zur Orientierung im schulischen Handeln
  • Begleitbogen als Dokumentationsvorlage, der den Verlauf sichtbar macht
  • Adressliste außerschulischer Unterstützungsangebote
  • Verweis auf eine schulische Handreichung – wird perspektivisch ersetzt durch die hessische Handreichung, wenn diese veröffentlicht ist
  • mögliche Programme, die an anderen Schulen erprobt sind und ggf. Anregung zur Weiterentwicklung des eigenen Schulprogramms dienen
  • Link zu den Förder- und Beratungsangeboten des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB).

Das regionale Beratungs- und Förderzentrum (BFZ Jakob Muth Schule) gewährleistet, dass die bereitgestellten Materialien und Kontaktdaten regelmäßig auf Aktualität geprüft und ggf. korrigiert werden.

Vielen Dank an alle, die diesen Leitfaden mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen zusammengestellt haben.

Für das Schulamt Frau Saathoff, Herr Meteling, Herr SAD Reinhardt, Herr Dr. Poloczek und Herr Feth

Die Schulleitungen der inklusiven Schulbündnisse Wetzlar I, II und III

“Psychische Erkrankungen sind gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit, wobei meist belastende Gedanken, Emotionen, Verhaltensweisen und Beziehungen zu anderen bestehen.

Psychische Erkrankungen verändern, wie eine Person sich und andere wahrnimmt, sich fühlt oder verhält, wobei die meisten Menschen viele Symptome psychischer Erkrankungen aus alltäglichen Wahrnehmungen und Empfindungen kennen.

Im Rahmen einer psychischen Erkrankung treten diese Symptome aber über eine längere Zeit in starkem Ausmaß oder hoher Häufigkeit auf und sind nur sehr eingeschränkt durch Willenskraft beeinflussbar.

Bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen weichen die Erlebens- und Verhaltensweisen unter Berücksichtigung des Entwicklungsalters meist stark von denen Gleichaltriger ab und verursachen oftmals einen Leidensdruck bei Betroffenen oder gehen mit Beeinträchtigungen in wichtigen Lebensbereichen einher. Das Zusammensein mit anderen oder die Bewältigung von Alltagstätigkeiten kann deutlich erschwert sein.

Als amtliche Klassifikation für Diagnosen körperlicher, wie psychischer Erkrankungen dient die mehrfach überarbeitete internationale statistische Klassifikation der Krankheiten (ICD, engl. International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) der WHO.” (Handreichung “Psychische Erkrankungen im schulischen Umfeld”, ZSL Baden-Würtemberg, 2024)

 
Materialien